Liebe Leser*innen,
Wer trägt Verantwortung für die Menschenrechte? Diese Frage ist in letzter Zeit noch bedeutender geworden, denn in ihrer ursprünglichen Konzeption sind Menschenrechte territorial organisiert, staatszentriert und gegenwartsbezogen. In einer Welt, in der die Auswirkungen des Handelns von Staaten, Unternehmen und Individuen globale Auswirkungen haben können und lange noch nachwirken, schützen so konstruierte Menschenrechte immer weniger zuverlässig. Das ist der Grund, warum die SMRI die Auslagerung der Verantwortung für Menschenrechte zu einem ihrer Schwerpunktthemen gewählt hat.
Ende 2026 wird sie dazu ihre erste Grundlagenstudie publizieren. Bereits im Frühjahr hat sie eine Fokusstudie zur Frage publiziert, wie mit der Auslagerung menschenrechtlicher Verantwortung im Kontext der Klimaveränderung umgegangen werden kann – und vor drei Wochen hat die SMRI ihre Jahrestagung dieser Frage gewidmet.
Eine der vielen Fragen, welche an der Tagung aufgeworfen wurde, war, wo denn die politische Gestaltungskraft herkomme, um die Verantwortung für die Menschenrechte von globalen Unternehmen oder von übermächtiger Technologie wirksam einzufordern?
Wir mussten die Frage offen lassen – wenigstens für den Moment. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren kleinen Beitrag zu leisten, indem wir unsere eigene Institution noch besser dafür ausrüsten, ihre eigene Verantwortung für die Menschenrechte wahrzunehmen. An unserer Jahrestagung haben wir das getan, indem wir Sébastien Kessler, Physiker, Gesundheitsökonom, Fachmann und Aktivist für barrierefreie Gestaltung aus Lausanne in den Vorstand der SMRI gewählt haben. Wir heissen Sébastien herzlich willkommen und wünschen ihm alles Gute im Amt!